Handyshopnutzung (Sommer 2020-21) - aRaum

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Handyshopnutzung (Sommer 2020-21)

Konzept: Der Handyshop am Dobben wird von Juni 2020 bis Juni 2021 der jungen freien Szene Bremens zur Verfügung stehen. Die Idee ist eine ein- oder zweimonatige Vergabe des Raumes, die auch mit einer Ausstellung oder Präsentation verbunden sein kann. Die Auswahl der Personen wird möglichst demokratisch und niedrigschwellig durchgeführt. Es soll dabei eine höhere Zugänglichkeit als bei klassischen „Artist in Residency“-Formaten ermöglicht werden und sich somit besonders an Menschen mit weniger oder keiner (klassischen) akademischen Laufbahn und Erfahrung richten.

Im Anschluss an das Projekt werden wir bei aRaum die Zeit reflektieren und diese in Textform festhalten. Dies wird dann wahrscheinlich auch veröffentlicht.

Bisherige Nutzungen und Projekte im Projekt:

  • Über 200 Jahre ist es her, als aus zwei lila Eiern zwei Menschengleiche Tauben geschlüpft sind: INNOCENCIA. Sie galten als verschollen – bis jetzt! Mensch munkelt, sie hätten sich im Handyshop am Dobben eingenistet. Kommt in Scharen (coronakonform) und seht selbst. Innocencia ruft auf, das Gesehene/Ausgestellte zu erweitern indem die Betrachter*innen den Raum mit weiteren (feministischen) Aktionen ergänzen. Bis zum 30. September könnt ihr das Geheimnis der lila Baskenmützen selbst lüften.

  • Eine Resonanz hat sich im ehemaligen Handyshop eingenistet. Ein Ort an dem Raum und Klang als Material in Verbindung treten. Installationen, Skulpturen und Performances erkunden den ehemaligen Handyshop, den Dobben, und das Dazwischen. Und wer weiß, was noch passieren kann? Der Arbeitsprozess ist offen, also kommt vorbei und seht selbst.

  • Das Bremer Kollektiv in Ordnung (konzweik, Sabine Peter, Ul Seo) hat andere Designer- und Künstler*innen eingeladen, den aRaum im November als gemeinsame Plattform zu nutzen. Eddie de Goër zeigt eine Performance in der sie durch den laufenden Umbau einer Postkartensammlung eine räumliche Reflexion über halbverborgene gesellschaftliche Strukturen versucht.
    Inspiriert von Jürgen Amthors Arbeit und seinen Recherchen zum Rembertiring (rememberti.de), begeben sich Lucas Schmidt & Johannes Kuhn, Kollektiv Mercury, Miyeon Chung & Sabine Peter vor Ort, um Fragen zu Stadtraum und Stadtentwicklung, Privatheit und Öffentlichkeit in den aRaum und hinaus zu tragen.

  • Filmdreh im Handyshop: An zwei Tagen im Dezember finden im a-Raum die Dreharbeiten für die Pilotfolge der Krimiserie POLIZEI statt (Regie: Daniel Meißner). Den Rest des Monats wird das Filmset am Dobben als environment stehen. Dort laden wir herzlich dazu ein, den Raum für künstlerische und mediale Interventionen zu nutzen. Schreibt uns gerne an polizeifilm (at) gmail.com. WICHTIG: Wir nehmen ausdrücklich Abstand von Polizei-verherrlichenden Botschaften.

  • Ist euch schonmal aufgefallen, dass immer dann, wenn etwas verschwindet, meist auch was übrigbleibt? Eine Spur, Krümel, Atome, Staub, DNA oder auch eine Erinnerung. Leer und gut widmen sich im Januar im aRaum dem, was zurückbleibt. Wir sammeln (un-)feierliche Reste, performen Memoiren und setzten Spotlight auf Verbliebenes.
    Leer und gut sind das Duo Esther Adam und Katharina Greeven. Wir arbeiten mit dem Hinterfragen von kulturellen Gesten, Displacement, sowie dem Verschieben und Reinszenieren von Alltagsobjekten und -bewegungen.

  • Eine Ausstellung über Queer-Feminismus und Sprache – Zwischen Körperformen und Geschlechterfarben präsentiert Ros*innen einen kritischen (a)Raum. Wir beleuchten, wir zersetzen, schmeißen alles in einen Schmelztiegel: Bitch, Pronomen und Picasso. Auf den Öhrchen werden erklingen Zitate von Datingapps und eine Ode an die Emanzipation, alles gemischt mit etwas Menstruationsblut. Und noch einmal in seriöser und intellektuell: Wir kritisieren das heteronormative cis-Patriachat und die dazugehörige (Bild-)Sprache aus einer queer-feministischen Perspektive und versuchen die Breite von Diskriminierungsformen (Stichwort Intersektionalität) wenigstens anzuschneiden. Das tun wir mit Illustrationen, Fotografien, Texten und Skulpturen ab Februar im und um den aRaum Am Dobben 131 (Haltestelle Am Dobben, Linien 1, 4, 10), Schaufenstergucken und Horchen lohnt sich. Je nach Corona-Maßnahmen ab 15.02. auch Besichtigung von Innen möglich. Stay tuned!

  • Im April, im aRaum, von Malerei, Fotografie, Video und Plastik teilen wir unsere Gedanken zu Körperformen & Normen -außen und innen. „Niemand kann sein, wo mein Körper ist“ Stevie & Sofia.

  • Welches Potenzial birgt die Zukunft? Ich würde sagen, ein ziemlich großes, auch wenn unsere Gegenwart aktuell eher dystopisch wirkt: das Erstarken nationalistischer Strömungen, sich konstant intensivierende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten und eine menschengemachte Klimakrise. All das ist für mich ein Anlass, die Frage aufzuwerfen, wie Macht und Deutungshoheiten sich in gegenwärtigen Paradigmen und der Reproduktion selbiger darstellen. Wenn wir wissen wollen, warum und wie diese Tendenzen zustande kommen, ist es unabdingbar, die eigene Denktradition zu hinterfragen. Denn wenn die Eigene nur eine Perspektive ist, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie nicht die einzig Gültige sein kann. Die Epistemologie des Afrofuturismus setzt genau an diesem Punkt an und blickt mit ihm in die Zukunft. Innerhalb dieses Feldes geht es um die Zirkularität unserer Zeit. Wissen, Geschichte, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen darin zu einem Spektrum an Möglichkeiten.
    Dabei beschäftigt mich vor allem die Frage, wie mithilfe dieses Spektrums eine Hegemonie bestimmter Denktraditionen dekonstruiert werden kann. Die Dringlichkeit eines Perspektivwechsels ergibt sich hierbei vor allem aus dem Kontinuum der Rassifizierung und Eliminierung Schwarzer Subjektivität. Im vergangen Jahr hat sich gezeigt, dass diese bittere Realität endlich ansatzweise in der Wahrnehmung des Mainstream angekommen ist. Weil das aber leider nicht ausreicht, ist es wichtig, sich zu fragen, wie wir als Menschheit eine gerechtere Zukunft möglich machen können.
    Diese Arbeit ist ein Versuch und eine Annäherung in Form von Malerei, Skulpturen und Videoarbeiten.

    von Michelle Iyekepolor.

Der ehemalige Handyshop am Dobben 131 wird, nach Abriss und somit auch Beendingung des Hulsberg Crowd Projektes ab Juli 2019 zum neuen Veranstaltungs- und Versammlungsort aRaums. Der etwa 20qm große Raum wird bereits für verschiedene kleinformatige Veranstaltungen wie beispielsweise der Vermittlungsmomentes der Forschungsgruppe „Kulturraum für alle? Ästhetische Forschung in der autonomen Kulturarbeit“, einer Kleidertauschparty, und einer Familienausstellungsreihe genutzt. Der Raum wird weitestmöglich in seinen Originalzustand zurückversetzt. Dafür werden Böden entfernt, Wände gestrichen und mit dem, was da ist, gearbeitet und all das erhalten, was den räumlichen Charakter prägt. aRaum setzt sich für den Raum am Dobben das Ziel, insbesondere die unmittelbare Nachbarschaft in das Veranstaltungsprogramm mit einzubeziehen. Einen besonderen Dank gilt hier der Kanzlei Hammer und Partner für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Das Projekt wurde von Clemens Gensch grafisch unterstützt und vom Studierendenwerk Bremen, dem AstA der Universität Bremen und dem Ortsamt Mitte gefördert. Vielen dank!